Grundlagen
    8 Min. Lesezeit25. Januar 2026

    Fieberkurven, klassische Fiebermuster und Pel‑Ebstein-Fieber verständlich erklärt: Beispiele, Diagramme, Warnsignale und Grenzen der Selbstdiagnose

    Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.

    Fiebermuster: Was verschiedene Temperaturkurven bedeuten

    Warum Fiebermuster wichtig sind

    Die Art, wie Fieber verläuft – ob es gleichmäßig bleibt, stark schwankt oder in regelmäßigen Abständen auftritt – kann Ärzten wichtige Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache geben. Das Erkennen von Fiebermustern hilft bei der Einschätzung, ob ein Arztbesuch notwendig ist.

    „Ein Fiebertagebuch mit regelmäßigen Messungen kann wertvolle Informationen für Ihren Arzt liefern."

    Die wichtigsten Fiebermuster

    Kontinuierliches Fieber (Febris continua)

    Bei kontinuierlichem Fieber bleibt die Temperatur über 24 Stunden hinweg erhöht, mit Schwankungen von weniger als 1 °C. Die Temperatur sinkt nie auf normale Werte ab.

    Typische Ursachen:

    • Typhus (in der zweiten Krankheitswoche)
    • Bakterielle Lungenentzündung
    • Einige Harnwegsinfektionen

    Remittierendes Fieber

    Die Temperatur schwankt im Tagesverlauf um mehr als 1 °C, sinkt aber nie auf normale Werte ab. Typischerweise ist die Temperatur abends höher als morgens.

    Typische Ursachen:

    • Virale Infektionen
    • Bakterielle Endokarditis
    • Viele bakterielle Infektionen

    Intermittierendes Fieber

    Bei intermittierendem Fieber wechseln sich Fieberphasen mit fieberfreien Zeiten ab. Die Temperatur normalisiert sich mindestens einmal innerhalb von 24 Stunden.

    Typische Ursachen:

    • Malaria (klassisches Muster alle 48–72 Stunden)
    • Septikämie
    • Einige Abszesse
    MalariatypFieberzyklus
    Plasmodium vivax/ovaleAlle 48 Stunden (Tertiana)
    Plasmodium malariaeAlle 72 Stunden (Quartana)
    Plasmodium falciparumUnregelmäßig, oft täglich

    Rückfallfieber (rekurrierendes Fieber)

    Auf ein oder mehrere Tage mit Fieber folgen fieberfreie Tage, dann kehrt das Fieber zurück. Die fieberhaften und fieberfreien Phasen können sich über Wochen wiederholen.

    Typische Ursachen:

    • Rückfallfieber (durch Borrelien)
    • Hodgkin-Lymphom (Pel-Ebstein-Fieber)
    • Brucellose

    Zweigipfeliges Fieber

    Das Fieber steigt an, fällt ab, und steigt nach einigen Tagen erneut an – wie ein „Kamel mit zwei Höckern".

    Typische Ursachen:

    • Dengue-Fieber (Sattelbuckfieber)
    • Masern
    • Poliomyelitis

    Fieber richtig dokumentieren

    Um Fiebermuster zu erkennen, ist eine regelmäßige Dokumentation wichtig:

    1. Messen Sie mindestens 3–4 mal täglich (morgens, mittags, abends, nachts)
    2. Notieren Sie Uhrzeit und Temperatur
    3. Verwenden Sie immer dieselbe Messmethode
    4. Notieren Sie begleitende Symptome (Schüttelfrost, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen)

    Wann zum Arzt?

    Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn:

    • Das Fieber länger als 3 Tage ohne erkennbare Ursache anhält
    • Sie ein auffälliges Muster bemerken (z.B. regelmäßige Fieberschübe)
    • Begleitsymptome wie Schüttelfrost, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust auftreten
    • Sie kürzlich in tropische Gebiete gereist sind

    Zusammenfassung

    MusterBeschreibungBeispielerkrankungen
    KontinuierlichDauerhaft erhöht, <1°C SchwankungTyphus, Pneumonie
    RemittierendSchwankt >1°C, nie normalVirale Infekte
    IntermittierendWechsel zwischen Fieber und NormalMalaria, Sepsis
    RückfallfieberMehrtägige ZyklenLymphome, Brucellose
    ZweigipfeligZwei FieberspitzenDengue-Fieber
    TB

    PD Dr. med. Tobias Bobinger

    Medizinischer Leiter

    PD Dr. med. Tobias Bobinger ist Arzt mit langjähriger klinischer Erfahrung in der Akutversorgung und in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Infektsymptomen, darunter auch Fieber. Als medizinischer Leiter verantwortet er beim Fieberratgeber die fachliche Prüfung der Inhalte und stellt sicher, dass Empfehlungen verständlich, alltagstauglich und medizinisch korrekt sind.

    Medizinisch geprüfter Inhalt