Erkrankungen & Störungen
    12 Min. Lesezeit25. Januar 2026

    Fieber bei chronischen Erkrankungen: Ab wann gefährlich, was überwachen und wann zum Arzt oder in die Notaufnahme gehen.

    Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.

    Fieber bei chronischen Erkrankungen: Höheres Risiko erkennen und richtig reagieren

    Fieber ist zunächst keine Krankheit, sondern ein Abwehrmechanismus des Körpers gegen Infektionen. Bei gesunden Erwachsenen ist eine erhöhte Körpertemperatur oft harmlos und geht von allein wieder zurück. Menschen mit chronischen Erkrankungen (Vorerkrankungen, Grunderkrankungen) haben jedoch ein höheres Risiko für Komplikationen und einen schweren Verlauf.

    Warum Fieber bei Vorerkrankungen riskanter ist

    Dazu gehören zum Beispiel:

    • Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2)
    • chronische Herzinsuffizienz und andere Herzerkrankungen
    • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD, Asthma)
    • chronische Nierenerkrankung
    • Krebserkrankungen und Behandlungen mit Chemotherapie
    • Autoimmunerkrankungen (z. B. Rheuma) unter Immunsuppressiva oder Biologika
    • Zustand nach Organtransplantation
    • höheres Alter, Gebrechlichkeit oder ausgeprägte Immunschwäche

    Diese Erkrankungen verringern die „Reserve" von Herz, Lunge und Nieren oder schwächen das Immunsystem. Der Körper kann Infektionen schlechter abwehren, typische Symptome wie Fieber fallen manchmal geringer aus, und es drohen schneller lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungenentzündung, Herzversagen oder Sepsis.

    Gerade bei älteren Menschen kann eine schwere Infektion sich eher durch Verwirrtheit, Stürze oder eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands zeigen – auch wenn das Fieber nur leicht erhöht oder sogar normal ist.

    Schnelle Einordnung: Fieber – ab wann ist es gefährlich?

    Bei Erwachsenen spricht man in der Regel ab etwa 38,0 °C von Fieber. Als grobe Orientierung für sonst gesunde Erwachsene gelten:

    TemperaturbereichEinordnung
    37,5–38,0°Cerhöhte Temperatur
    ab ca. 38,0 °CFieber
    ab ca. 39,0 °Chohes Fieber

    Für Menschen mit Vorerkrankungen gelten strengere Regeln. Nicht nur die Höhe, sondern auch die Dauer des Fiebers und zusätzliche Beschwerden („Warnzeichen") spielen eine Rolle.

    Wann sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen?

    Rufen Sie den ärztlichen Notdienst (in Deutschland 116 117) oder im Notfall den Rettungsdienst (112), wenn Sie Fieber und eines der folgenden Warnzeichen haben:

    • Atemnot, schnelle oder erschwerte Atmung, bläuliche Lippen oder starke Luftnot bei COPD oder Asthma
    • Brustschmerzen, Herzrasen, neu auftretende oder deutlich stärkere Beinschwellungen (Herzinsuffizienz)
    • starke Verwirrtheit, Bewusstseinseintrübung, Krampfanfälle
    • steifer Nacken, sehr starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit
    • anhaltendes Erbrechen, Durchfall oder das Unvermögen, Flüssigkeit bei sich zu behalten
    • Zeichen starker Dehydrierung (sehr wenig oder dunkel gefärbter Urin, starker Durst, Schwindel, trockene Schleimhäute)
    • fleckiger Hautausschlag, kleine punktförmige Einblutungen (Petechien) oder blaue Flecken ohne Verletzung
    • sehr hoher Puls, sehr niedriger Blutdruck, kalte, blasse oder fleckige Haut – Verdacht auf Sepsis (Blutvergiftung)
    • Fieber nach Chemotherapie, bei bekannter ausgeprägter Immunschwäche oder nach Organtransplantation

    Was sollten Patientinnen und Patienten überwachen? Die Fieber-Checkliste

    Bei Fieber und chronischen Erkrankungen ist es wichtig, nicht nur die Temperatur, sondern mehrere Bereiche systematisch zu beobachten.

    1. Temperatur richtig messen und dokumentieren

    Messen Sie Ihre Temperatur mit einem zuverlässigen Thermometer. Am genauesten sind in der Regel Messungen im After (rektal).

    • messen Sie 2–4-mal täglich (z. B. morgens und abends, bei Bedarf öfter)
    • notieren Sie Temperatur, Uhrzeit, eingenommene Fiebermittel und wie Sie sich fühlen
    • achten Sie auf den Verlauf: steigt das Fieber, bleibt es gleich oder sinkt es?

    2. Flüssigkeit und Ausscheidung (Dehydrierung vermeiden)

    Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf. Gerade bei Herzinsuffizienz oder chronischer Nierenerkrankung ist die Balance zwischen zu viel und zu wenig Trinken empfindlich.

    Achten Sie auf:

    • ausreichende Trinkmenge (z. B. Wasser, Tee, klare Brühe – bei Herz- und Nierenerkrankung nach ärztlicher Vorgabe)
    • Häufigkeit und Menge des Urins (sehr dunkler, konzentrierter Urin ist ein Warnzeichen)
    • Schwindel beim Aufstehen, trockene Lippen und Zunge – Hinweise auf Dehydrierung

    3. Atmung und Herz-Kreislauf

    Bei chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen kann eine Infektion schnell zu einer Verschlechterung führen. Beobachten Sie:

    • Atemfrequenz (deutlich schneller als sonst ist ein Warnsignal)
    • Luftnot bei leichter Belastung oder in Ruhe, Pfeifgeräusche (Giemen) bei Asthma/COPD
    • Herzfrequenz (Puls) und Blutdruck, soweit Sie Messgeräte zu Hause haben

    4. Allgemeinzustand und Bewusstsein

    Nehmen Sie Veränderungen ernst, auch wenn das Thermometer keine extremen Werte zeigt:

    • ungewöhnliche Müdigkeit, extreme Schwäche
    • neue oder zunehmende Verwirrtheit, Desorientiertheit, Unruhe
    • plötzlicher Verlust der Selbstständigkeit (z. B. Gehen, Anziehen, Essen)

    5. Zusatzkontrollen bei bestimmten chronischen Erkrankungen

    Bei Diabetes mellitus:

    • Blutzucker häufiger messen (z. B. alle 2–4 Stunden oder nach ärztlicher Empfehlung)
    • bei erhöhten Werten oder Unwohlsein nach Anweisung Ketone im Urin oder Blut kontrollieren
    • auch bei wenig Appetit ausreichend kohlenhydrathaltige Getränke oder kleine Mahlzeiten zu sich nehmen
    • niemals Insulin oder andere verordnete Diabetesmedikamente eigenmächtig absetzen

    Bei Herzinsuffizienz:

    • tägliches Wiegen (möglichst morgens nach dem Aufstehen)
    • plötzliche Gewichtszunahme von mehr als 2 kg in wenigen Tagen kann auf Wassereinlagerungen hinweisen
    • verstärkte Atemnot, insbesondere im Liegen, oder nächtlicher Husten sind Warnzeichen

    Bei chronischer Nierenerkrankung:

    • genau auf die vereinbarte Trinkmenge achten
    • Urinausscheidung beobachten (Menge, Farbe, Häufigkeit)
    • Medikamente, die die Niere zusätzlich belasten können, nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen

    Bei COPD oder Asthma:

    • Husten, Auswurf (Farbe, Menge) und Atemnot beobachten
    • verordneten Notfallplan beachten
    • bei deutlicher Verschlechterung frühzeitig ärztliche Hilfe suchen

    Bei Immunschwäche, Chemotherapie oder nach Organtransplantation:

    • Fieber kann hier schon ab etwa 38,0 °C ein medizinischer Notfall sein
    • halten Sie sich streng an den Notfallplan Ihrer Klinik
    • zögern Sie nicht, auch nachts oder am Wochenende Hilfe zu suchen

    Medikamente bei Fieber: Was ist bei Vorerkrankungen zu beachten?

    Paracetamol

    Paracetamol ist bei vielen Patientinnen und Patienten das Mittel der ersten Wahl gegen Fieber und Schmerzen. Bei vorgeschädigter Leber besteht jedoch ein Risiko für Leberschäden. Überschreiten Sie niemals die empfohlene Tageshöchstdosis.

    Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac

    Diese Medikamente können die Nierenfunktion beeinträchtigen und bei Herzinsuffizienz zu Wassereinlagerungen führen. Bei chronischer Nierenerkrankung, Herzschwäche oder höherem Alter sollten sie nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.

    Vorbeugung und Vorbereitung: Was Sie schon vor dem nächsten Infekt tun können

    • Impfschutz prüfen (z. B. gegen Grippe, COVID-19 und Pneumokokken)
    • einen persönlichen „Sick-Day-Plan" mit Ihrem Behandlungsteam erarbeiten
    • wichtige Telefonnummern griffbereit halten (Hausarztpraxis, Notdienst 116 117)
    • ein kleines Notfallset zu Hause haben: Thermometer, ausreichend Dauermedikamente

    „Fieber bei Vorerkrankungen ist kein Grund zur Panik – aber ein Anlass, den Körper genau zu beobachten und bei Warnzeichen frühzeitig medizinische Hilfe zu holen."

    FAQ – Häufige Fragen zu Fieber bei chronischen Erkrankungen

    Ab welcher Temperatur spricht man von Fieber?

    Bei Erwachsenen gilt eine Körpertemperatur ab etwa 38,0 °C als Fieber. Entscheidend ist aber immer das Gesamtbild.

    Wie lange darf Fieber dauern?

    Bei ansonsten gesunden Erwachsenen kann ein leichter Infekt mit Fieber 3–5 Tage dauern. Haben Sie Vorerkrankungen, sollten Sie spätestens dann ärztlichen Rat einholen, wenn das Fieber länger als 48–72 Stunden anhält.

    Warum steigt bei Fieber oft der Blutzucker?

    Infektionen sind Stress für den Körper. Stresshormone sorgen dafür, dass vermehrt Zucker freigesetzt wird. Bei Diabetes kann dieser Mechanismus zu deutlich erhöhten Blutzuckerwerten führen.

    Wann darf ich trotz Fieber zu Hause bleiben?

    Wenn Sie nur leichtes Fieber haben, sich sonst stabil fühlen, genug trinken können und keine Warnzeichen vorliegen, können Sie sich meist zunächst zu Hause auskurieren.


    Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Lassen Sie Ihre individuelle Situation immer von Ihrem behandelnden Team beurteilen.

    TB

    PD Dr. med. Tobias Bobinger

    Medizinischer Leiter

    PD Dr. med. Tobias Bobinger ist Arzt mit langjähriger klinischer Erfahrung in der Akutversorgung und in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Infektsymptomen, darunter auch Fieber. Als medizinischer Leiter verantwortet er beim Fieberratgeber die fachliche Prüfung der Inhalte und stellt sicher, dass Empfehlungen verständlich, alltagstauglich und medizinisch korrekt sind.

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